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Alt sein ...

  • 19. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit


… muss man lernen.  Es heißt immer, man solle nicht zurück und nur nach vorn sehen. Aber mit dem Rückblick auf die Lebensleistung lässt sich die gefühlte Nutzlosigkeit besser ertragen. Alt sein muss man lernen. Meine alte Tante, (sie wurde 99) sagte immer: „Alle wollen alt werden, aber alt sein???“ und die Fragezeichen in ihrem Blick drückten aus, wie beschwerlich sie diesen Zustand empfand. Die Liste der Zipperlein wird immer länger und die Liste der sozialen Kontakte immer kürzer. Ringsum wird gestorben. Kein Wunder, dass auch die Gesprächsthemen meist um die Krankheiten ranken – man erlebt wenig Erfreuliches. Es gibt keine großen Ziele mehr. Das tägliche Ziel ist das Über-Leben  bei möglichst guten Empfindungen.

Früher sind die Beschwerden in den Anforderungen des Alltags und der Abwechslung der täglichen Herausforderungen untergegangen. Heute sind sie den ganzen Tag präsent und werden deshalb oftmals als schlimmer empfunden, als sie womöglich sind. Der Geist würde gerne eine Radtour machen, aber die Knie behindern durch die Arthrose. Der Schwindel macht mir vor, ich könne nicht mehr richtig sehen. Jede Reise, die den Geist belebt, wird zum Kraftakt. Die vorhandene Zeit, die all das jetzt zuließe, grinst mich an, als wolle sie mir sagen: „Da bin ich jetzt. Du wolltest mich doch immer. Jetzt bin ich da und nun ist es dir auch nicht Recht!“

Ja, es gilt zu lernen mit der vielen Zeit, die man hat, genussvoll und freundlich umzugehen. Gut ist es, wenn man ein Hobby hat, das einen ausfüllt und mit Freude aufstehen lässt. Da kommt mir die sogenannte Nonnenstudie in den Sinn.  Bei dieser Studie hat man festgestellt, dass die Nonnen, die im Falle dieser Studie über 20 Jahre im Kloster begleitet wurden, nicht dement waren, obwohl ihre Gehirne die Merkmale der Demenz aufwiesen. Aber der Körper kompensierte diese Form der Degeneration. Bei anderen Forschungen hat man herausgefunden, dass der Grund hierfür drei optimale Bedingungen sind, die der Mensch erfüllen solle, um gesund zu bleiben. Diese sind:

1.Mit sich reflektieren, um die Zusammenhänge des Lebens zu erkennen.

2.Der Glaube daran, das eigene Leben gestalten zu können.

3.Einen persönlichen Sinn leben.

Reflektieren mit sich und der Umgebung ist schon eine spannende Sache. Es ist nicht immer erfreulich, was da zu Tage tritt. Zu gerne verstecken wir uns hinter den Alltagsanforderungen oder Ablenkungen. Reflektion braucht Zeit. Sie sollte auch wohlwollend geschehen und nicht voller Selbstkritik und Selbstablehnung sein. Viele von uns sind in ihrem Leben so viel kritisiert worden, dass uns die Kritik vertraut ist, und wir sie im Unbewussten fortsetzen, auch wenn unser Verstand längst signalisiert, dass sie nicht gut ist für uns. Vielmehr ist es wichtig, uns in unseren Stärken zu bekräftigen, uns für uns zu begeistern.

Und aus dieser Begeisterung heraus können wir dann auch daran glauben, dass wir in unserem Leben etwas ändern, neu gestalten können.

Das mit dem „Sinn finden“ mag mitunter nicht ganz einfach sein. Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die ihre Wünsche und Träume immer hintenangestellt haben und jetzt sind sie so tief vergraben, dass sie kaum noch auffindbar sind. Dann lass dir Zeit, aber gib nicht auf. Nimm dir Zeitschriften und blättere darin. Immer, wenn dir ein Bild besonders gut gefällt, dann schneide es heraus. Mache das mit vielen Zeitschriften.

Wenn du einen beachtlichen Stapel von Bildern hast, dann schaue sie alle durch – mit Zeit und Muße. Welche Motive wiederholen sich? Bei welchen Bildern schlägt dein Herz schneller? Sortiere aus, was dich weniger anspricht. Mache verschiedene Stapel. Was kannst du dabei erkennen? Ich wünsche dir viel Freude dabei!

Dazu ist man nie zu alt!

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