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Geschichten
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Wir sind noch jung ...
Hilde erinnert sich noch genau an diesen Satz, in den sie sich sofort verliebte. Sie tanzten in der Kellerbar. Er war ein guter Tänzer, voller Schwung und sie ließ sich mitnehmen von seinen Schritten und der Musik. Hilde war in einer Krise, sie fühlte sich alt und hatte sich ein paar Tage Auszeit genommen. Zwischen einem gelungenen Rechtsschwung und einem Auswiegen nach der Musik sagte er: „Wir sind doch noch jung!“ Dieser Satz war für Hilde in diesem Moment wie eine Offenbar
1 Min. Lesezeit


Lachen im Zug
Auf YouTube gibt es Filme von Leuten, die in der U-Bahn einfach lachen und Andere damit anstecken, so dass am Ende alle Fahrgäste im Zugwagen lachen. So etwas wollte Hilde auch erreichen. Sie stellte sich das ganz einfach vor. Es war in der Zeit, als sie noch in Kliniken und anderen Einrichtungen mit Lachyoga erfolgreich aktiv war. Es brauchte ein wenig Mut, aber den hatte Hilde. So machte sie sich am frühen Morgen gegen 7:00 Uhr auf den Weg zum Bahnhof, um mit dem Stadtexpre
3 Min. Lesezeit


Welcher Beruf
Hilde ist dabei, ein Formular auszufüllen. Da steht die Frage nach dem „Beruf“. Sie schreibt in die Zeile „Rentnerin“ und denkt sich dabei, dass das ja kein Beruf ist, sondern eine Lebensphase. Aber sie weiß, dass diese Angabe akzeptiert wird. Welchen Beruf soll sie auch reinschreiben? Sie hält inne beim Ausfüllen des Formulars und ihre Gedanken schweifen ab. Sie führen Hilde weit zurück, als Hilde noch im Blumengeschäft ihrer Mutter Blumenarrangements für die Kundschaft zaub
4 Min. Lesezeit


Großmütterliche Sternstunde
Hilde wird wach von Rückenschmerzen, die sie schon seit 50 Jahren plagen. Meist weiß sie um die Auslöser. Meist hatte sie sich zu viel geplagt, ist zu lange stillgesessen oder hatte den Rücken sonst wie überfordert. Auch dieses Mal war da etwas für den Rücken zu viel, nur, dass sie jetzt mit einem glücklichen Lächeln daran denkt. Und das kam so: Ihre Schwiegertochter brauchte dringend ein Stündchen heilsamen Schlaf. Paulchen, 11 Monate, wollte auf den Arm genommen werden. Und
1 Min. Lesezeit


Wie der Frosch zum Prinzen wurde
Hilde liebt Frösche. Überall hat sie welche sitzen oder stehen, aus Porzellan, aus Kunststoff oder aus Plüsch. Alle schauen sie Hilde mit ihren großen Augen an und es gab eine Zeit - eine Zeit, in der Hilde sich recht einsam fühlte - da wünschte sie sich, dass das Märchen vom Frosch, der zum Prinzen wird, für sie wahr würde. Nun - sie hatte keine goldene Kugel und sie würde auch bestimmt nicht so garstig mit dem Frosch umgehen, wie es die verwöhnte Königstochter getan hatte.
3 Min. Lesezeit


Die Heimkehr des Vaters
Es war 1955 und Nacht. Laute Stimmen auf dem Flur weckten Hilde. Sie schlich sich aus dem Bett und öffnete einen Spalt breit die Tür. Da stand ein fremder Mann mit Hildes Mutter und ihrer Großmutter. Im Halbdunkel sah sie einen müden, hageren Mann in einem langen dunklen Mantel. Die Situation hatte etwas Beklemmendes - es war keine freudige Begrüßungsstimmung, die man erwartet hatte. Das ist Hildes Erinnerung an den Moment, als sie ihren Vater das erste Mal sah. Die Tage z
2 Min. Lesezeit


Bio
Es hatte geregnet. – ein kalter Mai-Regen, den die „Kalte Sophie“ geschickt hatte. Hilde ging an einem Rapsfeld entlang, sog den Duft der Blüten ein und erfreute sich an der Weite des Feldes mit der satten gelben Farbe. Auf ihrem Weg zog eine Schnecke langsam eine schleimige Spur. Das erinnerte Hilde daran, dass sie als Kind Schnecken eingesammelt hat. Es gab pro Schnecke einen Pfennig. Da es viele Schnecken auf dem Gelände der Gärtnerei gab, kam einiges zusammen. Die Schneck
2 Min. Lesezeit


Der irische Seefahrer
Es war zu der Zeit, als Hilde oft in ihrem gemusterten Sessel saß und alle Liebesfilme anschaute, die sie finden konnte. Ihr Fernsehprogramm erlaubte ihr, alles aufzunehmen und zu speichern, was tagsüber oder auch in der Nacht im Programm geboten wurde. Die Filme von Rosamunde Pilcher liebte sie besonders, weil in diesen Filmen alles schön ist - die Menschen, die Landschaft, die Kleidung, die Häuser, die Gärten, viel Geld und auch das jeweilige Ende der Filmgeschichte. Währen
3 Min. Lesezeit


Jahrgang 44
Hilde hat es sich in die ihrem alten, gemusterten Sessel bequem gemacht. Gerade bekam sie eine WhatsApp von ihrer Schwiegertochter mit Bildern von ihrem jüngsten Enkelkind, einem lebhaften kleinen Jungen mit einem bezaubernden Lächeln. Während sie ganz großmütterlich verliebt die Fotos betrachtet, schweifen ihre Gedanken ab - zurück - weit zurück - genau 80 Jahre zurück, als sie geboren wurde. Damals lag das Land in Schutt und Asche. Aus den Erzählungen ihrer Mutter weiß sie
2 Min. Lesezeit


Missbrauch an dem kleinen Mädchen
In Hildes Leben gab es lange, sehr lange Zeit ein Geheimnis. Als sie noch klein war, war ihr verboten worden, darüber zu reden, und dann lag die Last des Erlebten so schwer auf ihr, dass sie nicht darüber reden wollte und konnte. Sie hatte gehofft, mit den Jahrzehnten zu vergessen. Aber eine gequälte Seele vergisst nicht. So wie alles gespeichert ist, was schön war, so ist auch alles gespeichert, was weh tat und beeinflusst gleichermaßen das Leben, die Träume und die Verhalte
7 Min. Lesezeit


Dr. H., Zahnartzt
Hilde lebt in zwei Wohnungen – einmal beim Mann der Tat, da steht auch ihr Pavillon – und dann in ihrer alten Heimat, oder was sie als Heimat empfindet. Da wohnt sie über einer Zahnarztpraxis. Sie kann nicht umhin, aus den großen Fenstern auf die Straße zu schauen und zu beobachten, wie die Leute zum Zahnarzt gehen. Dabei fragt sie sich oft, welche Gefühle sie wohl begleiten mögen. Sie ist voller Mitgefühl mit all jenen, die sich unangenehmen Behandlungen unterziehen müssen.
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Weihnachten
Hilde stellt den Lichterbogen ins Fenster, staubt die geschnitzten Figuren mit einem Pinsel ab, ersetzt die Glühbirnchen, rückt alles noch ein wenig zurecht, bis der Anblick für sie stimmig ist und freut sich an dem warmen Licht im Raum. Weihnachten war schön, damals als sie ein kleines Mädchen war. Am schönsten war die große Tanne, die über und über mit verschiedenen bunten Kugeln und ganz viel Lametta geschmückt war. Das Haus, in dem sie lebte, war ein altes, schönes Haus m
2 Min. Lesezeit


Kommt ein Vöglein geflogen ...
Kommt ein Vöglein geflogen, setzt sich nieder auf mein Fuß, hat ein Brieflein im Schnabel, von dem Vater einen Gruß. Dieses Liedchen geht Hilde heute nicht aus dem Kopf. Sie hat es als Kind oft gesungen. Und einmal ist eine Karte aus dem fernen Russland, wo ihr Vater viele Jahre in russischer Gefangenschaft lebte, nur für sie gewesen. Das war das einzige persönliche Lebenszeichen das sie von ihm hatte, bis er 1955 aus Russland, aus Perwo-Uralsk bei Swerdlowsk, zurückkam.
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Abschied von einer Last
Seit Hilde die belastende Geschichte über ihre Kindheit mit dem Großvater aufgeschrieben und ins Netz gestellt hat, fühlt sie sich...
2 Min. Lesezeit


Moin, Moin
Von einem Urlaub auf Föhr hatte Hilde die Tasse mit dem friesischen Gruß mitgebracht, die heute bei ihr und „dem Mann der Tat“ auf dem...
2 Min. Lesezeit


Die Kandidatur
Es ist Sonntag. Hilde war zum Wählen und während sie nun in ihrem gemusterten Sessel in der Sonne sitzt, erinnert sie sich an eine...
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Himmel oder Hölle?
Die Hölle kannte Hilde. Das war, wenn der Großvater sie ins „kleine Treibhaus“ rief. Da gab es nur einen Gang, der aussah wie ein...
2 Min. Lesezeit


Die Beerdigung des Großvaters
Eine Erinnerung ist Hilde noch ganz besonders präsent. Im Juni 1955 starb ihr Großvater. Darüber hat sie sich sehr gefreut. Es fühlte...
1 Min. Lesezeit


Der Ernst des Lebens
Hilde erinnert sich an die Einschulung ihrer Enkelin. Die Kinder waren alle vergnügt und lachten, als sie aufgerufen und eingeteilt...
2 Min. Lesezeit


Non scholae sed vitae discimus
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Hilde hatte Latein in der Schule. Das hatte nicht sie entschieden, sondern der...
4 Min. Lesezeit
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