Das Geheimnis des Verliebens Teil 3
- 4. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Feb.

Warum wir Enttäuschungen erleben
Kennst du das? Dieses Mal, so glauben wir, ist es der oder die „Richtige“. Dieses Mal ist es ganz anders. Wir sind noch in der Verliebtheitsphase, erkennen noch nicht die erneut mögliche Falle und glauben an den absoluten Partner, der oder die die Sterne vom Himmel holt. Der oder die unsere Wunden heilt, unser Leben verändert, kurzum das Traumwesen unserer Vorstellungen. Wir geben uns unseren Wunschträumen hin und projizieren in den Anderen unsere Wunschvorstellungen. Wir deuten Situationen so, dass sie unseren Hoffnungen entsprechen und wenn wir erkennen müssen, dass alles nicht wahr ist, dann sind wir enttäuscht. Aber nicht der andere Mensch hat uns enttäuscht, sondern wir haben uns getäuscht. Wir haben gehofft, gewünscht, projiziert oder einfach nicht genau hinsehen wollen, denn wenn wir genau hinsehen, dann erkennen wir die Selbsttäuschung, entstanden aus unserer Sehnsucht. Enttäuschungen sind nichts anderes als Selbsttäuschungen, entstanden aus unseren Träumen.
Es kann aber wirklich ganz anders sein!
In den ersten sechs bis acht Kindheitsjahren sammeln wir viele Lebenserfahrungen, die wir fürs Leben gespeichert haben und die uns in ihrer Vertrautheit später willkommen sind. Jede Liebe kann uns andere Erinnerungen widerspiegeln. So kann eine neue Liebe eine andere Erfahrung sein und zwar sowohl eine positive als auch eine negative. Es ist auch möglich, dass wir durch/oder während einer Beziehung alte störende Verhaltensmuster abgelegt haben. Wir haben vielleicht mehr Selbstwertgefühl gewonnen oder verstehen es besser, unsere Bedürfnisse einzufordern. Dann werden sich alte Muster in diesem Bereich nicht mehr wiederholen.
Jede Veränderung, die Wachstum bewirkt, bringt uns einer erfüllten Liebe näher.
Wollen wir wirklich einen Partner / eine Partnerin?
Diese Frage stellte sich oft bei meinen Klienten.
Da werden Erwartungen an eine Person so hoch angesetzt, dass sie von keinem Menschen erfüllbar sind. Dazu höre ich, man sei anspruchsvoller geworden. Aber wir haben als junge Leute auch nicht den oder die Erstbeste genommen. Stehen dahinter vielleicht die schlechten Erfahrungen, die wir in Beziehungen und mit Menschen gemacht haben? Haben wir Angst vor Wiederholung der alten Muster? Muster, die zwar erkennbar, aber doch nicht greifbar sind?
Haben wir uns immer wieder in Enttäuschungen begeben (du weißt, Enttäuschungen sind Selbsttäuschungen) und sind jetzt so mutlos, dass wir eher gar nicht mehr lieben? Vielleicht haben wir uns auch nie geliebt gefühlt und immer nur auf der Geberseite gestanden und wollen nun endlich einmal etwas für uns tun? Bravo, das ist dann der erste Schritt zu einer erfüllten Beziehung – nämlich ein gute Beziehung zu sich selbst finden und zu leben.
Erst noch, dann …
Wenn ich in Anzeigen lese, dass Männer schreiben, sie hätten bisher nur für den Beruf gelebt, dann glaube ich das. Sie sind dabei auch sicher erfolgreich im Beruf geworden. Aber wenn dann da weiter steht, dass jetzt die Zeit für die Liebe und Partnerschaft gekommen sei, dann glaube ich das nicht. Der Wunsch dafür ist zweifellos da. Es ist eine Selbstlüge, wenn wir sagen, wir hatten noch keine Zeit für Beziehung. Vielmehr sind wir ihr bisher mit einer, wie wir meinen, guten Ausrede aus dem Weg gegangen. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen und sagen: So, jetzt steht das Haus, das Einkommen ist gesichert und jetzt kommt die Partnerin. Wenn Offenheit für Zweisamkeit in diesem Menschen wäre, dann hätte er sich schon längst verliebt. Hier steht Angst dahinter. Vielleicht Angst vor Nähe, Angst vor Gefühlen, oder Angst vor schon einmal gemachten Erfahrungen aus der Zeit, als wir als Kind unser Lebensmodell formten. Es sind die inneren Blockaden, die eine Beziehung verhindern, nicht die Arbeit, nicht die Pflichten, nicht die Umstände, sondern weil wir nicht wirklich wollen.
Ich will da mal ein Erlebnis aus der Zeit meiner Kontaktrunden einfügen:
In gemütlicher Runde forderte ich meine Teilnehmer einmal auf sich vorzustellen, dass der Traummann oder die Traumfrau beim Frühstück gegenübersitzen würde.
Wie würde sich das anfühlen?
Wie säße man am Frühstückstisch? Wie würde der aussehen?
Welche Gefühle stellen sich ein bei dieser Vorstellung?
Eine Teilnehmerin sagte mir danach, dass sie gefühlt hat, dass sie gar nicht offen ist für eine Beziehung, nicht offen für Nähe, dass ihr diese Vorstellung geradezu unangenehm war.
„Wenn mir eine/einer gefällt, dann ist sie/er gebunden.“
Seltsam, es geht vielen Menschen so. Da harren die Liebenden Jahre aus und hoffen, dass die/der Geliebte endlich frei wird. Es gibt immer wieder Umstände, die das verhindern und immer wieder wird verstanden und verziehen. Wer in einer solchen Situation steckt, tut gut daran sich zu fragen, was sie /ihn an dem Partner hält. Denn wer immer wieder gebundene Partner hat, der verhindert damit eine Beziehung, die wirklich Nähe bedeutet. Warum tut man das?
Welche Kindheitserfahrungen stehen dahinter? Was wird hier als Muster wiederholt?
Man kann jetzt die Schultern zucken, sie hängen lassen und denken, das sei eben Schicksal und weiter leiden.
Man kann aber auch genau hinsehen und ändern.
Es ist so einfach die Schuld abzugeben, alle und alles andere verantwortlich zu machen für unser Schicksal. Aber wir sind - soweit wir erwachsen sind - für uns selbst verantwortlich und wenn wir etwas als falsch oder als unangenehm empfinden, dann ist es an der Zeit zu schauen, wie wir es verändern können.
Veränderungen sind immer möglich, mit Sicherheit nicht einfach, aber genauso zu erreichen wie Erfolg im Beruf, nämlich mit Einsatz und Beharrlichkeit.
Wir müssen bei uns beginnen, denn es liegt an uns, ob wir uns mit uns selbst und in unseren Beziehungen wohl fühlen.
Im folgenden Text geht es um die Frage des "Ewigen Glücks".

