Großmütterliche Sternstunde
- 15. Juli
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Aug.

Hilde wird wach von Rückenschmerzen, die sie schon seit 50 Jahren plagen. Meist weiß sie um die Auslöser. Meist hatte sie sich zu viel geplagt, ist zu lange stillgesessen oder hatte den Rücken sonst wie überfordert.
Auch dieses Mal war da etwas für den Rücken zu viel, nur, dass sie jetzt mit einem glücklichen Lächeln daran denkt. Und das kam so:
Ihre Schwiegertochter brauchte dringend ein Stündchen heilsamen Schlaf.
Paulchen, 11 Monate, wollte auf den Arm genommen werden. Und so trug ihn Hilde durch die Wohnung. Gemeinsam bestaunten sie all die Dinge auf der Augenhöhe der Oma, die er nicht haben durfte. Immer mehr rieb er sich die Augen, gähnte und schlief dann in ihrem Arm ein.
Sie setzte sich auf die Couch. Der Arm, der sein Köpfchen hielt, wurde immer schwerer.
Aber nun kam sie mit dem Kind auf dem Arm nicht mehr von der Couch hoch.
Mühsam angelte sie sich mit der freien Hand ein Kissen um es unter den Arm zu schieben – darauf bedacht den Hund nicht zu wecken, der sich auf der anderen Seite an sie geschmiegt hatte.
Es war still im Haus. Nur das leise Schnarchen des Hundes war zu hören. Die Sonne schien durch das Fenster. Hilde schaute in den grünen Garten. Das Baby in Ihrem Arm schlief ganz entspannt. Ihr Arm entspannte sich auf dem Kissen.
Eine Stunde saß Hilde so unbeweglich. Es war schön –
nur, eben nicht für ihren Rücken.


